Volle Fahrt voraus mit Kohldampf

So schön der Sommer auch war, der goldene Oktober uns begeisterte, so sehnlich warten wir auf den ersten Frost. Wenn lästiges Autoscheibenkratzen uns nervt, Stiefel, Handschuhe und Mützen aus der Versenkung auftauchen, kahle Bäume in den Himmel ragen und der Kalender ganz dünn geworden ist, dann ist Grünkohlzeit im Norden – die fünfte Jahreszeit.

Auf dem Grünmarkt, im Supermarkt, fertiggekocht im Plastikschlauch beim Fleischer – überall läuft er uns frisch, gefroren oder küchenfertig übern Weg. Er will gekauft und zubereitet und gegessen werden.

„Der Grünkohl, Braunkohl oder Krauskohl gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse. Er ist ein typisches Wintergemüse und eine Zuchtform des Gemüsekohls. Grünkohl ist weltweit verbreitet. Er wurde als eine der ersten Kohlsorten bereits sehr früh auf dem eurasischen Kontinent verbreitet.“ So kann man es bei wikipedia lesen und bei Interesse noch viel mehr über das schmackhafte Grünzeug der kalten Jahreszeit.

Doch wer will nur über ihn lesen? Essen will man ihn!

Echte Liebhaber dieses Wintergemüses pflücken und kochen ihn selbst, kramen Oma Bertas Rezept hervor, suchen in Kochbüchern, im Internet oder in der Frau im Spiegel nach neuen Varianten der Zubereitung.

Wem allerdings der Dampf in der Küche zu heiß und das ganze Ringsherum zu viel Arbeit und Aufwand ist, sucht nach einem Restaurant, um seinen Gaumen zu befriedigen.

Echte Fans dieses Saisonrenners haben sich längst Tisch und Stuhl beim Gastwirt ihres Vertrauens reserviert – kluge Genießer bereits am Ende der vorangegangenen Grünkohlzeit.

Mitte November geht’s wieder los. Ganz zünftig ist die kleine Wanderung übern Deich, an der Promenade entlang oder per Fähre nach Guntsiet. Unterwegs schmeckt denn auch der erste Schnaps aus dem Vorrat im Bollerwagen. „Kohl und Pinkel“ ist Kultur und Programm gleichermaßen und Pflicht für Unternehmen, Kegelclubs und andere Vereine.

Scharenweise machen sich dann wieder Menschen auf die Socken, um das Grünzeug mit Grützwurst traditionell im Pinkeldarm mit allem Drum und Dran zu genießen.

Jeder Gastronom freut sich auf das Klingeln der Kasse und die vielen zahlenden Gäste. Dem Koch in der Kombüse steht der Schweiß auf der Stirn, seinem Küchenpersonal nicht minder und die Servicekräfte laufen sich die Füße wund. Vom Teller, per Büffet oder „satt“ – es ist Kohlsaison! Überall wo es das Gemüse gibt, ist das so, auch hier in Bremen-Nord, in jedem Gasthaus von Grünkohl auf der Speisekarte steht in Vegesack und in jedem Restaurant entlang der maritimen Meile.