„Weiß ist das Schiff, das wir lieben, weiß die Segel, die sich bläh’n…“

Schon lange bläht sich da nix mehr und ob da noch was Weißes vorhanden ist, weiß keiner. Die hohen Masten liegen ziemlich geknickt herum und der schlanke Bug ist bereits seit Jahren von seiner Galionsfigur getrennt. Schon alleine diese Tatsache ist in der christlichen Seefahrt ein Riesendilemma und ein schlechtes Omen für jeden Seemann, denn wenn die Galionsfigur weg ist, spürt er schon den eisigen Griff des Klabautermanns.

Gorch Fock heißt das Segelschulschiff der Deutschen Marine, auf das alle so stolz waren und sind. Dazu zählt Uschi von der Leyen, die Verteidigungsministerin und alle, die vor ihr dieses Amt ausübten und sämtliche Wehrbeauftrage vor und nach Willfried Penner.

Beide Damen – also das Schiffchen und Uschi – sind übrigens Jahrgang 1958, die eine im Oktober und der Stapellauf der anderen erfolgte bereits im August.

Die Gorch Fock ist nicht mehr die Jüngste und schon eine ganze Weile dienstuntauglich. Seit ein paar Jahren steht sie aufgebockt auf einer Weser-Wer0ft und soll wieder fit gemacht werden. Fit und Aufhübschen, für Wind und Wellen, um Deutschland zu repräsentieren und um Kadetten auf und unter Deck und hoch im Mastkorb zu drillen.

Und wie das bei Damen eines gewissen Alters so ist, reicht irgendwann ein bisschen Kosmetik, Make-up und viel Haarspray nicht mehr aus. Botox, Silikon und andere Materialien, die der Verjüngung dienen, braucht die einstige Schönheit vorne, hinten, oben und unten – eben das Sorglos-Rundumpaket mit allem Drum und Dran.

Uschi weiß das und wenn man nicht rechtzeitig Hand und Skalpell gekonnt anlegt, dann nagt der Zahn der Zeit weiter und das will Frau selbstverständlich nicht. Sowas Grundlegendes kostet aber auch eine Stange Geld und ist aus der Portokasse der Marine nicht bezahlbar. Kurzerhand schilderte Uschi Angela Merkel den Sachverhalt und die war mit einer größeren Schönheits-OP einverstanden. Schließlich weiß sie nur zu genau, dass der tägliche Blick in den Spiegel schnell mal Depressionen auslösen kann. Also haben die Mädels kurzerhand Wolfgang Schäuble überredet, aus seinem Staatssäckel zehn Millionen Euro lockerzumachten und flugs konnte die marode Dame frohgemut zur Werft schippern.

Da ist sie nun seit Jahr und Tag, liegt im Koma und jeder weiß, dass Komapatienten nicht gerade zu den billigsten gehören. Mittlerweile sind aus den ursprünglich veranschlagten zehn Millionen einhundertdreißig und mehr geworden und wenn man richtig hinhört, ist die Mastspitze in finanziell noch längst nicht erreicht – sagen Insider und Kritiker derzeit.

Jedenfalls hat die Gorch Fock es mal wieder auf Seite eins aller Zeitungen geschafft und keine Nachrichtensendung findet ohne sie statt. Das alte Mädel ist und bleibt nun einmal eine Skandalnudel. Auf ihr findet immer was statt und oftmals nichts Gutes!

Immer wieder steht die Stammcrew im Umgang mit auszubildenden Kadetten unter vollem Beschuss. Besäufnisse sollen an der Tagesordnung gewesen sein, ebenso übermäßiger Drill bis hin zu Misshandlungen, selbst von Nötigung war die Rede und die Frage, ob der Todesfall damals ein Unfall oder Suizid war, steht bis heute ungeklärt im Raum.

Fest steht scheinbar nur, dass Befehl und Gehorsam, Alkoholexzesse und High-Life konträr zueinanderstehen und die sturmerprobte Lady ziemlich in Schieflage geraten ist, und dass leider nicht erst aktuell.

Derzeit flattern alle Beteiligten aufgeregt durch den Wind, denn es wird geprüft, was das Zeug hält, schließlich will man zudem noch einen Korruptionsverdacht aufklären. Die Frage, wer sich womöglich wann und wieviel unter den Nagel gerissen hat und mit wem unter einer Decke steckt, interessiert den Steuerzahler, die ermittelnden Behörden und die Öffentlichkeit sowieso.

Irgendwie sonderbar, dass alle „Prestige-Projekte“ in Deutschland, an denen der Bund, die Länder und Politiker „beteiligt“ sind, dermaßen aus dem Ruder laufen. Wenn man das ganze Geld, das z. B. beim Berliner Flughafen, bei der Elb-Philharmonie, bei Stuttgart 21, der Sanierung der Gorch Fock und anderen Vorhaben in den Sand gesetzt wurden noch hätten, dann könnten wir…ja, was wohl?

Keine Ahnung, was wir dann könnten. Aber vermutlich könnten wir uns so manch einen ausgesprochen kostspieligen Untersuchungsausschuss – der unterm Strich auch nichts wirklich aufklärt – sparen!

Dagmar Kiesel